Ausschnitt aus dem Kapitel „Was Meditationen für Herz und Seele bedeuten“
Meditation hat etwas mit Seelenhygiene zu tun. Sie ist gewissermaßen ein geistiges Reinigungsritual. Wir klären unsere Seele, indem wir von unseren Aufgeregtheiten ablassen und zu uns finden. Insofern ist Meditation auch mit einem rituellen Bad vergleichbar, bei dem wir uns durch Untertauchen von seelischer Last befreien wollen. Meditation gleicht einem ebensolchen Eintauchen in das unendliche Meer des Geistes. In dieser Hinsicht ist sie vor allem ein spiritueller Prozess. Unser Geist vermählt sich mit seinem Ursprung, dem himmlischen Geist. Wir kehren ein in den überirdischen Raum himmlischer Freiheit. Der Lohn solchen Eintauchens in höhere Sphären ist ein ebenso überirdisches Glücksgefühl. Wir sprechen dann von Glücksseligkeit. - Wer aber glückselig ist, der ist heil!
Durch die Meditation öffnen Sie sich für Ihre innere Welt. In diesem Sinne ist Meditation Einkehr; Einkehr in sich und Hinwendung an eine höhere Sphäre. Der Weg zu dieser geistigen Dimension führt Sie folglich zunächst nach innen. Der Zweck dieser Übung ist frei nach dem hermetischen Prinzip "wie innen, so außen", über die Einsicht in seine inneren Strukturen die äußeren zu erkennen, sprich die innere Welt als ein Gegenbild der äußeren Welt zu erleben. So können Sie zum Beispiel eine seelische Beunruhigung, etwa eine unbestimmte Zukunftsangst, als ein Gemenge von Sorgen, Abhängigkeiten und Forderungen erkennen, das Sie durch die Bewältigung seiner einzelnen Ursachen niemals lösen können. Indem Sie dies jedoch einsehen, erlangen Sie eine ganzheitliche Sicht auf das Problem und mit dieser Sicht eine ebenso ganzheitliche Lösung. Häufig ist es dabei so, dass sich bereits die ganzheitliche Sichtweise selbst als die eigentliche Lösung herausstellt. Mit ihr löst sich auch das Problem in Ihrem Inneren und verliert hierdurch seine äußerliche Macht über Sie. Sie haben sich durch Einsicht aus seiner Gewalt befreit.
Die Selbstheilungskräfte der Seele wecken Sie folglich am ehesten dadurch, dass Sie Ihrer Meditation vertrauen; dass Sie sich ihr anvertrauen. Dies ist zugleich ein Vertrauensbeweis gegenüber Ihnen selbst. Sie vertrauen sich, dass Sie, sobald Sie meditieren, sich in Liebe und Verständnis begegnen. Sie wissen, Sie sind in Ihrem Wesenskern heil und gut. Dieses Heilsein wollen Sie heben. Ihr inneres Heil soll nach außen dringen und die äußere Welt erwärmen. Dies ist ein Prozess geistiger und seelischer Gesundung.
In erster Linie handelt es sich dabei um ein intuitives Geschehen. Sie gehen in sich und vertrauen Ihrer Einsicht. Diese Einsicht basiert auf Ihrer Wachheit und Ihrer Fähigkeit sich von Vorurteilen zu lösen, damit sich ungewohnte Perspektiven einstellen. Es ist ein Vertrauen auf eine innere Führung. Diese Führung müssen Sie nicht vergöttlichen. Denn Intuition ist vor allem eine Weisheit des Herzens. Sie zeigt sich als ein stilles Ahnen von dem, was uns gut tut und was uns schadet. Wir wissen ohne große Worte, was wir meiden und was wir suchen sollten. Indem wir uns selbst vertrauen, rücken wir unserem Unbewussten näher.
Das Unbewusste ist der große Wurzelstock unserer Seele. Es ist nicht so geheimnisvoll, wie gemeinhin gedacht. Es ist vor allem ein tiefes sittliches Gefühl, das in ihm verankert ist. Aus diesem Gefühl nähren sich unsere Tabus und unsere Vorlieben. Es ist vor allem eine unglaublich vielseitige Bilderwelt. Denn Gefühl und Gesicht, im Sinne von Vision, sind die Sprache des Unbewussten. Meditation bietet die Gesprächsgrundlage für diese wort- aber keinesfalls sprachlose Begegnung. Jedenfalls macht dieses wortlose Verständnis die Intuition aus. Ihre Einsichten sind meist Geistesblitze, Momente der Erleuchtung, die, wollten wir sie in Worte fassen, sehr viel Zeit erforderten. Doch gerade in ihrer kondensierten Form gestalten sich diese Geistesblitze als ein heilsames Feuer. Sie sind pure Energie, die scheinbar aus einer höheren Sphäre kommen. Doch wenn Sie sich genau beobachten, werden Sie bemerken, dass diese Kraft aus Ihnen kommt. Weil Sie sich durch Ihre Meditation mit einer höheren Kraft verbinden, sind Sie auch diese Kraft. - Es gibt für diesen Moment keine Trennung zwischen Ihnen und dem Geist.